Kastrationspflicht in Warburg - Tiernothilfe Breuna

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Kastrationspflicht in Warburg

Wissenswertes

Stadt wirft ein Auge auf die Freigänger
(NW vom 26.03.15) 
Als erste Kommune im Kreis beschließt der Warburger Stadtrat eine Kastrationspflicht für Katzen.
In Paderborn ist dies schon seit 2008 Pflicht, in Lippstadt seit Ende 2010: Freilaufende Katzen und Kater, die nicht verwildert sind, müssen kastriert und mittels einer Tätowierung oder eines Mikrochips gekennzeichnet werden. Das hat jetzt auch der Warburger Stadtrat einstimmig beschlossen. Zuwiderhandlungen sollen mit einem Bußgeld in Höhe von mindestens 50 Euro belegt werden.
Auch derjenige, der regelmäßig Katzen füttert, soll für die Kastration der gefütterten Katzen sorgen. Ausnahmen sind für Rassekatzen auf Antrag möglich.

"Die Anzahl der frei laufenden Katzen hat sich in den vergangenen Jahren im Stadtgebiet erkennbar erhöht", bestätigt Wolfgang Voss, Mitarbeiter im Ordnungsamt, auf Anfrage der NW. Nach Auffassung von Tierschutzverbänden würden vermehrt Krankheiten verbreitet, Singvögel bejagt und die Allgemeinheit belästigt, so steht es in der Ratsvorlage. Zweimal im Jahr brächten Katzen oft jeweils vier bis sechs Junge zur Welt. Die Nachkommen könnten ab dem Alter von sechs Monaten wieder neue Katzen zeugen. "Außerdem werden die Tierheime durch als Fundtiere und halbverwilderter Jungtiere abgegebene herrenlose Katzen, oft auch ganze Würfe, besetzt", wies Bürgermeister Michael Stickeln in der Sitzung am Dienstagabend auf ein weiteres Problem hin.

Eingefangene Tiere werden derzeit zur Tiernothilfe nach Breuna gebracht und dort versorgt. Mit einem Chip oder einer Tätowierung versehen, könnten die Tiere an den Besitzer zurückgegeben werden. "Zudem kann durch die Kennzeichnung eine erfolgte Kastration nachvollzogen und geprüft werden", sagt Wolfgang Voss. Mit der Regelung "wollen wir erreichen, dass die Katzen ihrem Besitzer zurückgegeben werden können, und Freigänger sich nicht wie verrückt vermehren."

Wie beispielsweise rund ums Calenberger Schloss. Dort habe sich eine große Population verwilderter Katzen gebildet, sagt Voss. "Eine in sich geschlossene Gruppe." Das bedeute, dass durch Inzucht bei den Tieren eine extrem hohe Sterblichkeitsrate, genetische Defekte und Verhaltensstörungen Über-hand nehmen könnten.

Kastrieren, Chippen, Tätowieren: Was bisher auf Freiwilligkeit beruhte, wird aufgrund des Verordnung für die Tierärzte nun zu einem Druckmittel. "Mit dieser Rechtsgrundlage können sie Katzenhalter zu diesen notwendigen Maßnahmen anhalten", sagt Voss. In den kommenden Tagen sollen die Warburger Veterinäre angeschrieben und über die neue Regelung informiert werden. Die Tierärzteschaft rege schon seit einiger Zeit an, männliche und weibliche Freigängerkatzen zu kastrieren, um einer Vermehrung Herr zu werden, betont Voss. Die Katzen blieben durch diese Maßnahme gesünder, weil die Gefahr der Ansteckung mit Krankheiten ohne Geschlechtsverkehr und Revierkämpfe deutlich geringer sei. Freilaufende Katzen sollen dem Ordnungsamt, dem Tierarzt oder einem Tierschutzverein gemeldet werden. Diese informieren das örtlich zuständige Tierheim, das die betreffenden Tiere einfängt, untersucht und überprüft, ob eine Kastration durchgeführt wurde und wer der Besitzer ist.

"Es geht um die Besitzer dieser Katzen", stellte Willi Vonde, Vorsitzender der CDU-Fraktion, in der Ratssitzung klar. Christoph Dolle von der SPD pflichtete für seine Fraktion dem Ansinnen bei, sah aber die Kontrollierbarkeit der Anordnung problematisch. Ebenso wie Gerhard Rose von der Bürger-Union. Der Bonenburger fragte nach dem Träger der dafür anfallenden Kosten. Die Grünen machten auf "die vielen herrenlosen Katzen in den landwirtschaftlichen Betrieben" aufmerksam. Es sei da "eine schwere Geschichte, Kontrollen umzusetzen", mutmaßte Hilla Zavelberg-Simon.

Bürgermeister Michael Stickeln gab zu, das die Umsetzung der Verordnung, "kein einfacher Prozess" werde. Doch die Ehrfahrungen aus Paderborn zeigten den Erfolg. Es sei auch nicht beabsichtigt, "aktiv Katzen einzufangen", so der Verwaltungs-Chef. Die Vorgehensweise werde seit 2008 in Paderborn praktiziert. "Die Zahl der freilaufenden, unkastrierten Katzen konnte wesentlich reduziert werden", berichtete Stickeln. Zudem habe sich der Gesundheitszustand der Tiere seitdem erheblich verbessert.

Mit Inkrafttreten der Ordnungsbehördlichen Verordnung sei in Paderborn Informationsmaterial an alle Tierarztpraxen und Tierschutzvereine verschickt worden. Diese Informationskampagne habe zur Folge gehabt, dass die Quote der bei den Katzen freiwillig durchgeführten Kastrationen signifikant angestiegen sei, hält der Warburger Ordnungsamtsmitarbeiter Wolfgang Voss fest. "In den vergangenen fünf Jahren musste das Paderborner Ordnungsamt in nur drei Fällen tätig werden."


Info
Freigänger


Katzenhalter, die ihre Katze (ab fünf Monaten) ins Freie lassen, müssen sie zuvor von einem Tierarzt kastrieren und mittels Tätowierung oder Mikrochip kennzeichnen lassen.

Als Katzenhalter gilt auch, wer freilaufende Katzen regelmäßig füttert.

Eine Kastration plus Markierung mit einem Chip kostet bei einer Katze rund 130 Euro, bei einem Kater 100 Euro.


 
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